Perses: Eponymer Heros vom Volk der Perser
Denken wir an die griechische Mythologie >>, so fallen uns sofort große Helden ein: Herakles >>, Theseus von Athen >> (Sohn des Aigeus >>) und weiterhin auch Perseus >>, der mutige Bezwinger der schlangenhaarigen Medusa >>. Doch kaum jemand kennt die Geschichte eines Sohnes, den Perseus mit der geretteten Prinzessin Andromeda >> zeugte – einen Heros, dessen Name nach antiker Auffassung eine ganze Weltmacht taufte: Perses.
Geschwister des Perses
Es werden einige Geschwister des Perses genannt:
Gorgophone >>
Sthenelos >>
Elektryon >>
Alkaios >>
Mestor >>
Eine Geburt zwischen zwei Welten
Die Geschichte des Perses beginnt im antiken Äthiopien. Nachdem Perseus die schöne Andromeda vor dem schrecklichen Meeresungeheuer Keto >> gerettet hatte, heirateten die beiden. Bevor das Paar die Heimreise in das Gebiet des heutigen Griechenlands antrat, erblickte ihr erstgeborener Sohn Perses das Licht der Welt.
Kepheus
Da sein Großvater Kepheus >> (der König von Äthiopien) keinen leiblichen männlichen Erben besaß, hinterließ er sein Königreich dem neugeborenen Perses. Dieser wuchs auf, wurde zu einem mächtigen König und unterwarf nach den antiken Überlieferungen ein Volk im Osten. Dieses Volk übernahm den Namen seines Herrschers / Stammvaters – und wurde als die Perser bekannt. Zu betrachten ist Perses deshalb als eponymer Heros.
Die Brücke: Von der Mythologie zu den Achämeniden
Für die Griechen der Antike war die Mythologie keineswegs bloßes Fabelgut, sondern der Schlüssel zu ihrer eigenen Weltgeschichte.
Historische Quellen: Antike Autoren - wie Herodot (Historien) und Apollodor (Bibliotheke) - halten das Erbe des Perses fest.
Der Urahn der Großkönige: Der antike Geschichtsschreiber Nikolaos von Damaskus geht sogar noch einen Schritt weiter. Ihm zufolge war Achaimenes ein Sohn des Perses. Achaimenes gilt historisch als der Stammvater der legendären Achämeniden-Dynastie – jenes Geschlechts, das unter Herrschern - wie Kyrus dem Großen und Darius I - das erste persische Großreich errichtete.
Perses ist somit in der antiken Vorstellung die direkte Brücke zwischen den griechischen Götter-Mythen und den Großkönigen des Orients.
Unterscheidungen
Wichtig für Mythologie-Fans: Der Heros Perses darf nicht mit gleichnamigen Gestalten verwechselt werden – wie etwa dem Titanen Perses >>, dem Gott der Zerstörung, oder dem Sohn des Sonnengottes Helios >> mit dem Namen Perses >>.
Warum werden die Perser (Iraner) als „Arier“ bezeichnet?
Die Frage nach dem Begriff „Arier“ sorgt bis heute oft für Verwirrung, da er im 19. und 20. Jahrhundert rassistisch umgedeutet und im Nationalsozialismus missbraucht wurde. Die historische und sprachwissenschaftliche Realität sieht jedoch völlig anders aus.
1. Selbstbezeichnung der indoiranischen Völker: Der Begriff stammt aus dem Altpersischen (ariya) sowie dem Sanskrit (ārya) und bedeutet übersetzt so viel wie „edel“ oder „gastfreundlich“. Es war eine rein sprachliche und ethnisch-kulturelle Selbstbezeichnung der indoiranischen Stämme, die sich im Iranian-Plateau und in Teilen Indiens niederließen.
2. „Iran“ bedeutet wörtlich „Land der Arier“: Der Name des Staates Iran leitet sich direkt von diesem altpersischen Wort ab (Erān-šahr = „Reich der Arier“). Wenn von den Persern (als indogermanische Ethnie) im historischen und sprachwissenschaftlichen Kontext als „Arier“ gesprochen wird, beschreibt das schlicht ihre linguistische Herkunft.
3. Das Missverständnis von blond und blauäugig: Die europäische Rassenideologie des 19. und 20. Jahrhunderts verdrehte diesen Sprachbegriff völlig und konstruierte das Fantasiebild eines blonden, blauäugigen „nordischen Ariers“. Mit der tatsächlichen Geschichte, der Kultur sowie dem Aussehen der Iraner/Perser hatte dieser politische Mythos nie etwas zu tun.
Fazit: Mythos trifft Wirklichkeit
Ob Perses tatsächlich als historische Figur gelebt hat, bleibt dem Reich der Sagen überlassen. Sicher ist jedoch: Die Altgriechen sahen in ihm den gemeinsamen Nenner zweier gigantischer Hochkulturen. Der Blick auf die Sprache verrät uns, wie faszinierend und vielschichtig die Pfade der Geschichte wirklich verlaufen – weit abseits von späteren Klischees und Verdrehungen.