Eris und der Konflikt: Einleitung
In der griechischen Mythologie verkörpert Eris (altgriechisch Ἔρις) die personifizierte Naturgewalt des Konflikts. Sie ist die Göttin der Zwietracht, des Zanks und des Streits. Eris repräsentiert jene disruptive Kraft, die harmonische Gefüge ins Wanken bringt und Krieg >> entfesselt.
Wesen
Ihr Wesen zeichnet sich durch eine interessante Ambivalenz aus: In den antiken Epen (wie Homers Ilias) tritt sie als grausame, blutrünstige Gestalt auf, die auf Schlachtfeldern wächst und nicht selten als ständige Begleiterin oder Schwester des Kriegsgottes Ares >> beschrieben wird. Auf der anderen Seite erkannte bereits der Dichter Hesiod, dass es zwei Arten von Eris gibt: Die destruktive, die Kriege und Hass schürt, und eine produktive, „gute“ Eris. Letztere symbolisiert den gesunden Wettbewerb, den Neid auf den Erfolg des Nachbarn, der die Menschen anspornt, fleißig zu arbeiten und sich zu verbessern.
Weltruhm
Weltberühmt wurde sie vor allem durch eine einzige Tat: Die Erschaffung des goldenen Zankapfels, mit dem sie aus Rache für eine gesellschaftliche Ausgrenzung den Trojanischen Krieg >> auslöste.
Eris: Steckbrief
Name: Eris (altgriechisch: Ἔris = Streit, Zank)
Römisches Äquivalent: Discordia („Zwietracht“)
Gegenspielerin / Gegenstück: Harmonia >> (Göttin der Eintracht)
Zuständigkeitsbereich: Zwietracht, Streit, Chaos >>, Konflikt, Eifersucht, Kriegstreiberei; im positiven Sinne auch produktiver Wettbewerb und Wetteifer.
Abstammung (berühmteste Version)
Meistens gilt sie als Tochter der Nyx >> (der personifizierten Nacht), die sie ohne Vater gebar. Damit gehört sie zu den Urgewalten des Kosmos.
Berühmte Geschwister (in der Version Nyx als Mutter)
Hypnos (Schlaf), Thanatos >> (Tod), Nemesis (Vergeltung), die Moirai (Schicksalsgöttinnen).
Nachkommen
Sie ist die Mutter zahlreicher düsterer Abstraktionen (oft als Keres bezeichnet), darunter:
Dysnomia >> (Missgesetzlichkeit)
Ponos (Mühsal)
Lethe (Vergessen, lateinisch Oblivio >> [andere Elternschaft gemäß Hyginus])
Limos >> (Hunger)
Algea >> (Schmerz)
Hysminai und Machai >> (Schlachten und Kämpfe)
Phonoi >> and Androktasiai (Mord und Gemetzel)
Ate >> (Verblendung)
Orkos (Eid – der die Meineidigen straft)
Erscheinungsbild und Wesen
Die Metamorphose des Hasses: Eris wird oft als anfangs kleine, unscheinbare, hinkende oder zusammengeschrumpelte Frau beschrieben. Doch sobald es ihr gelingt, Neid und Missgunst unter den Menschen oder Göttern zu säen, wächst sie rasant an. Homer beschreibt, dass ihr Haupt schließlich den Himmel berührt, während sie auf der Erde >> wandelt.
Attribute: Der goldene Apfel („Zankapfel“), Fackeln, Dolche oder eine kriegerische Rüstung.
Der bekannteste Mythos: Der Zankapfel
Die berühmteste Erzählung rund um Eris ist der Auslöser des Trojanischen Krieges:
1. Die Kränkung: Zur Hochzeit >> des sterblichen Helden Peleus >> und der Meeresnymphe Thetis >> (den späteren Eltern von Achilleus >>) wurden alle Götter eingeladen – außer Eris, da man auf einem Hochzeitsfest keinen Streit wollte.
2. Die Rache: Beleidigt erschien Eris dennoch ungebeten und warf ein Geschenk unter die Gäste: Einen goldenen Apfel aus dem Garten der Hesperiden >> mit der Aufschrift: „Der Schönsten“ (τῇ καλλίστῃ / tē(i) kallistē(i)).
3. Der Streit: Die drei mächtigen Göttinnen – Hera, Aphrodite >> und Athene – beanspruchten den Apfel jeweils für sich. Zeus >> weigerte sich, das Urteil zu fällen und delegierte die Aufgabe an den sterblichen trojanischen Prinzen Paris (das Urteil des Paris).
4. Die Folge: Paris wählte Aphrodite, da sie ihm die schönste sterbliche Frau (Helena >>) versprach. Die Entführung Helenas nach Troja entfesselte schließlich den 10-jährigen Krieg um Troja. Eris hatte ihr Ziel erreicht.
Moderne Rezeption und Nachwirkung
Der Begriff „Zankapfel“: Bis heute ist der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch fest verankert für ein Objekt oder Thema, das einen großen Streit entfacht.
Astronomie: Nach ihr wurde der Zwergplanet Eris benannt. Dessen Entdeckung im Jahr 2005 führte zu einem massiven wissenschaftlichen Streit unter Astronomen, an dessen Ende Pluto der Planetenstatus aberkannt wurde. Der Zwergplanet Eris wurde somit zum realen Zankapfel der Astronomie.
Diskordianismus: In der Neuzeit ist Eris die Hauptgottheit des Diskordianismus, einer als Parodie begonnenen Philosophie und Religion, die das Chaos als ebenso wichtig und real wie die Ordnung ansieht.
Kompletter Beitrag
Der komplette Beitrag zum Steckbrief:
Eris, die Göttin der Zwietracht >>