Die Gründungslegende der Stadt Marseille in Südfrankreich
Eine Prise Romantik, ein Schluck Gastfreundschaft und eine meeresfrische Brise: Die Entstehung der ältesten Stadt Frankreichs (Marseille) liest sich wie ein Drehbuch für eine zeitlose Liebesgeschichte aus der Antike. Zugeordnet wird die Gründungslegende von Marseille der griechischen Mythologie >>.
Die Liebe, die eine Stadt gebar: Wie Massalia entstand
Wir schreiben das Jahr 600 v.u.Z.: Altgriechische Seefahrer aus der kleinasiatischen Stadt Phokaia (an der Küste des Ägäischen Meeres, nahe dem heutigen İzmir) erkunden die Ufer des westlichen Mittelmeers. An der wunderschönen Naturbucht der provenzalischen Küste gehen sie an Land – ahnungslos, dass sie an einem ganz besonderen Tag >> eingetroffen sind.
König Nanas
Dort herrscht der keltische König Nanas (in Überlieferungen oft verkürzt als Nan oder Nann bezeichnet). Genau an diesem Tag richtet Nanas ein Festmahl an, denn seine Tochter Gyptis soll unter allen versammelten jungen Männern des Landes ihren Bräutigam wählen. Die Tradition verlangt, dass die Königstochter dem Erwählten während des Festes einen Kelch reicht.
Protis
Als die fremden Altgriechen unter der Führung des Protis eintreffen, lädt der gastfreundliche König Nanas auch die weit gereisten Seefahrer an die Festtafel ein. Dann tritt Gyptis vor die Menge – und zur Überraschung aller wählt sie weder einen lokalen Krieger noch einen heimischen Adligen: Sie geht auf Protis zu und reicht diesem Fremden den Kelch. König Nanas achtet die Entscheidung seiner Tochter und gibt dem Paar seinen Segen. Als Hochzeitsgeschenk überlässt der keltische Herrscher den Altgriechen ein Stück Land an der Küste. Dort gründen Kelten >> und Altgriechen gemeinsam die Handelsniederlassung Massalia. Erzählt wurde diese Geschichte vom antiken Autor Athenaios in seinem Werk „Gastmahl“ 13,576.
Der antike Name der Stadt
In der Antike hieß die Stadt Massalia (altgriechisch Μασσαλία, lateinisch später Massilia). Von dieser griechisch-keltischen Gründung leitet sich über die Jahrhunderte hinweg der heutige Name Marseille ab.
Was ist Marseille heute?
Heute ist Marseille ein pulsierendes, multikulturelles Zentrum am Mittelmeer und zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus.
Zweitgrößte Stadt Frankreichs: Mit rund 870.000 Einwohnern ist Marseille die zweitgrößte Stadt des Landes (nach Paris) und die Hauptstadt der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur sowie des Départements Bouches-du-Rhône.
Bedeutender Mittelmeerhafen: Der Vieux Port (Alter Hafen) bildet das historische und touristische Herzstück der Stadt, während der moderne Hafen einer der wichtigsten Wirtschaftsknotenpunkte Europas >> und der bedeutendste Fracht- und Kreuzfahrthafen Frankreichs ist.
Älteste Stadt Frankreichs: Mit ihrer mehr als 2.600-jährigen Geschichte blickt Marseille stolz auf ihre antiken griechisch-keltischen Wurzeln zurück.
Kulturmetropole: Im Jahr 2013 war Marseille (zusammen mit Košice in der Slowakei) Kulturhauptstadt Europas. Spektakuläre Architekturbauten - wie das direkt am Hafen gelegene Kulturmuseum MuCEM (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers) - prägen das moderne Stadtbild. Das Wort Museum leitet sich übrigens von Museion ab, den Heiligtümern der weltberühmten neun olympischen Musen >>.
Zum Beitrag
Nanas, keltischer König und die Gründungslegende von Marseille >>