Demeter: Olympische Göttin des Getreides
Wenn wir an die griechischen Götter denken, fallen uns meistens tatenhungrige, rachsüchtige und machthungrige Gestalten ein. Doch eine olympische Gottheit bildet eine wohltuende Ausnahme: Demeter (römisch Ceres). Als Göttin der Fruchtbarkeit, der Saat, des Getreides und der Jahreszeiten, gilt sie als weitaus wohlwollender gegenüber den Menschen als die meisten ihrer göttlichen Kollegen und Kolleginnen.
Geschichte der Tragödie
Doch hinter der idyllischen Fassade aus goldenen Kornfeldern und sommerlichem Überfluss, verbirgt sich eine Geschichte voll von Tragödie >>, göttlichen Skandalen und mächtiger Naturkraft.
Verschlungen und befreit: Die Geburt einer Macht
Demeters Leben begann dramatisch: Als Tochter der Rhea >> und des Titanen Kronos >>, wurde sie direkt nach ihrer Geburt >> von ihrem eigenen Vater verschlungen. Kronos hatte Angst >> vor seinen Kindern und wollte seine Entmachtung verhindern. Erst als ihr Bruder Zeus >> entkam und den Vater besiegte, wurden Demeter und ihre Geschwister (Poseidon >> - olympischer Meeresgott, Hera >> - olympische Königin, Hestia >> - olympisches Herdfeuer und Hades >> - Gott der Toten) aus dem Bauch des Kronos befreit. Sie bezog nach der Titanomachie ihren festen Wohnsitz auf dem weltberühmten Olymp >> – doch ihre wahre Stärke zeigt sich unten auf der Erde >>.
Der Trauerfall, der fast die Menschheit auslöschte
Demeters bekannteste Geschichte ist die tief bewegende Liebe >> zu ihrer Tochter Persephone >>, die sie gemeinsam mit Zeus zeugte. Als Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone raubte, verfiel Demeter in tiefste Trauer >>. Sie weigerte sich, die Erde weiter fruchtbar zu halten. Die Folgen waren verheerend: Die Erde dörrte aus, Felder blieben kahl und das gesamte Leben stand kurz vor dem Aussterben. Erst ein mühsam ausgehandelter Kompromiss rettete die Welt:
Winter: Persephone regiert an der Seite von Hades als Königin der Totenwelt – Persephone regiert im Totenreich sehr streng, aber die Erde kommt zur Ruhe >>.
Frühling >> und Sommer: Persephone kehrt zu ihrer Mutter zurück – Demeter und Persephone lassen die Natur in voller Pracht erblühen.
So entstanden die Jahreszeiten.
Skandale, Blitze und Verwandlungen
Wer glaubt, bei Demeter gehe es nur friedlich zu, täuscht sich gewaltig. Die Mythen um sie stecken voller kurioser Wendungen:
Der ungerechte Reichtum: Aus einer Liebschaft mit dem Jüngling Iasion >> ging ihr Sohn Plutos >>, der Gott des Reichtums, hervor. Das Drama folgte sogleich: Zeus tötete seinen Sohn Iasion mit einem Blitz. Im Volk hieß es später, dass der ungeborene Plutos durch diesen Blitzeinschlag wohl einen Schaden erlitten habe – anders konnte man sich die extrem ungerechte Verteilung des Reichtums auf der Welt nicht erklären.
Das Wunderpferd Areion >>: Als der Meeresgott Poseidon Demeter nachstellte, verwandelte sie sich auf der Flucht in eine Stute. Poseidon durchschaute den Trick, wandelte sich in einen Hengst und überwältigte sie. Das Ergebnis dieser dramatischen Begegnung war kein Götterkind, sondern Areion, ein legendäres Wunderpferd.
Die Lehrerin der Menschheit
Im Gegensatz zu vielen anderen Gottheiten, hegt Demeter keinen Hass gegen die Menschen. Sie wollte ihnen helfen und beauftragte Triptolemos (siehe dazu auch Buzyges >>), die Kunst des Ackerbaus über die gesamte Welt zu verbreiten.
Kunst
In der Kunst wird die „Gerstenmutter“ oder „Grünende“, wie sie oft ehrfurchtsvoll genannt wird, meist mit Früchten, Blumen oder Getreide dargestellt – manchmal auf Schweinen oder Delphinen reitend. Ihr zur Ehre, entstanden im antiken Ort Eleusis die berühmten Mysterien von Eleusis >>, einer der bedeutendsten Geheimkulte der Antike.
Fazit
Demeter ist weit mehr als eine blasse Erntegöttin. Sie ist Symbol für die Naturgewalt, die mütterliche Liebe, aber auch für die Erkenntnis, dass nach jedem harten Winter wieder ein blühender Sommer >> folgt.
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