Kronos (Saturn) und der Samstag (Saturday)
Zunächst: Das Dilemma mit der Macht und das ewige Rad der Zeit
Basierend auf den Informationen der Fachseite mythologie-antike.com >> sowie den dort referenzierten antiken Hauptquellen (Hesiod, Apollodor, Servius) und der klassischen Mythenforschung (Kerényi, Roscher, Der Neue Pauly) finden Sie nachfolgend einen fundierten, ausführlichen Artikel über die Gestalt des Kronos (Saturn / Saturnus).
1. Einleitung und mythologischer Kontext
In der antiken griechischen Mythologie nimmt Kronos (altgriechisch Κρόνος, lateinisch Saturnus) eine Schlüsselstellung ein. Als Anführer des ersten Göttergeschlechts – den Titanen – steht er an der Wende von der urzeitlichen Kosmogonie hin zur Etablierung der olympischen Ordnung >> unter seinem jüngsten Sohn Zeus >>.
Charakter der Widersprüche
Die Gestalt des Kronos ist von faszinierender Vielschichtigkeit: Er ist zugleich der grausame Tyrann, der aus Angst >> vor Machtverlust seine eigenen Kinder verschlingt, der Bringer des idealisierten „Goldenen Zeitalters“ der Menschheit sowie der Regent von Elysion und Herr über den Weltenlauf („Ruler of Time“).
2. Herkunft und Machtübernahme: Der Sturz des Uranos
Kronos wird in der Theogonie Hesiods als der jüngste und aufstrebendste Sohn der Erdgöttin Gaia >> und des Himmelsgottes Uranos >> beschrieben.
Krasser Uranos
Uranos verabscheute seine Nachkommen – neben den zwölf Titanen auch die drei einäugigen Kyklopen >> sowie die hundertarmigen Hekatoncheiren >> – und sperrte sie tief im Inneren der Erde (im Tartaros >>) ein. Erzürnt über diese Unterdrückung fertigte Gaia eine gewaltige Sichel (Harpe) aus grauem Stahl mit der Bezeichnung Adamant an und rüstete ihre Söhne (ihre Töchter NICHT!) zur Revolte auf. Die Göttin Erde hat mit ihrer eigenen Schöpfung übrigens stets nur Pest und Cholera zugleich, sie ist somit die tragischste Gottheit der griechischen Mythologie.
Mut
Einzig Kronos bewies den Mut, sich seinem Vater entgegenzustellen: Als Uranos des Nachts >> verlangenvoll zu Gaia herabstieg, passte Kronos ihn ab und entmannte ihn mit der Sichel. Mit dieser Tat entmachtete er Uranos, befreite die Titanen und stieg zum Weltherrscher auf.
3. Die Furcht vor dem Thronraub: Der Mythos des Verschlingens
Nach seinem Aufstieg nahm Kronos seine Schwester Rhea >> zur Gemahlin. Doch über seiner Herrschaft lag ein düsterer Schatten: Seine Eltern Gaia und Uranos prophezeiten ihm, dass auch er einst von einem seiner eigenen Kinder gestürzt werden würde.
Drastische Maßnahme
Um diesem Schicksal >> zu entgehen, griff Kronos zu einer drastischen Präventivmaßnahme: Er verschlang seine neugeborenen Kinder unmittelbar nach der Geburt. Nacheinander fielen dieser Furcht >> fünf seiner göttlichen Nachkommen zum Opfer:
1. Hestia >> (Göttin des Herdfeuers)
2. Demeter >> (Göttin der Fruchtbarkeit und des Getreides)
3. Hera >> (olympische Königin)
4. Poseidon >> (olympischer Meeresgott)
5. Hades >> (Gott des Totenreichs)
Die Rettung des Zeus
Als Rhea mit ihrem sechsten Kind schwanger war, suchte sie Zuflucht bei Gaia. Auf der Insel Kreta >> gebar sie Zeus im Verborgenen einer Höhle (am Berg Aigaion bzw. Ida). Um Kronos zu täuschen, reichte Rhea ihm einen in Windeln gewickelten Stein (Omphalos). Kronos schluckte den Stein im Glauben, sein jüngstes Kind unschädlich gemacht zu haben.
Cheiron (unehelich)
Neben den olympischen Geschwistern zeugte Kronos in der Gestalt eines Hengstes mit der Nymphe Philyra den berühmten Kentauren Cheiron >>, der für seine Weisheit >>, Heilkunst und als Erzieher griechischer Helden (wie Achilleus >> und den Argonautenanführer Iason >>) bekannt wurde.
4. Die Titanomachie: Der kosmische Krieg um die Weltherrschaft
Herangewachsen zwang Zeus seinen Vater Kronos – mithilfe eines Brechmittels, das ihm die Titanin Themis verabreicht hatte –, die verschlungenen Geschwister sowie den Stein wieder auszuspeien. Der ausgespuckte Stein wurde später im Heiligtum von Delphi >> (als Omphalos) aufgestellt.
Der Weltkrieg
Es entbrannte ein zehnjähriger (damit sind Götterjahre gemeint, nicht Menschenjahre), weltumspannender Krieg >> um die Herrschaft (Macht >>) über das Alleins mit der Bezeichnung Universum, die Titanomachie:
Die Titanen unter Führung von Kronos kämpften vom Berg Othrys >> aus.
Die Olympier unter Führung von Zeus kämpften vom Olymp >> aus, unterstützt von den aus dem Tartaros befreiten Kyklopen (die Zeus den Donnerkeil >> schmiedeten) und den Hekatoncheiren.
Die Olympier siegten schließlich und erhielten die Herrschaft über das Weltliche, allerdings NICHT über die Zeit selber (sogar die mächtigen Olympier sind somit Gefangene der Matrix). Im Weltlichen bekommen wir z. B. durch Helios >> eine Art Rythmus der Zeit suggeriert, um die Zeit selber handelt es sich dabei nicht.
5. Das Goldene Zeitalter und Kronos im Elysion
Obwohl viele Titanen (lange nicht alle!) verbannt wurden, erfuhr Kronos in späteren Überlieferungen und philosophischen Interpretationen die bedeutsamste Rolle schlechthin:
1. Das Goldene Zeitalter: Unter Kronos’ ursprünglicher Herrschaft existierte das legendäre Goldene Zeitalter >>. In dieser Ära lebten die Menschen frei von Arbeit, Kummer, Alter und Krieg; die Erde schenkte von Natur aus reichliche Erträge.
2. Herrscher von Elysion: Zeus war gezwungen, den Weltenlauf aufrechtzuerhalten und versetzte seine Eltern Kronos und Rhea deshalb nach Elysion >> (die Inseln der Seligen). Dort regiert Kronos mit dem römischen Namen Saturn, der für den extrem bedeutsamen Samstag (Saturn -> Saturday) mit dem Zentrum 6 / 33 steht. Das Zentrum 6 / 33 ist die CPU der Matrix. Dieses Zentrum 6 / 33 spuckt die Matrix am laufenden Band aus, siehe z. B. Abdul Ballout >>.
3. Ruler of Time: In diesem Zusammenhang wird Kronos (Saturn) das Drehen des ewigen Weltenrads der Zeit zugeschrieben.
6. Kult, Römische Rezeption und Abgrenzung zu Chronos
Die Kronien und Erntegott: Zur Ehre des Kronos feierten die alten Griechen das Erntefest der Kronien (u. a. in Delphi). Es war ein ländliches Fest, bei dem Standesunterschiede temporär aufgehoben wurden. Das Attribut der Sichel verbindet ihn eng mit dem Ackerbau.
Samstag und Saturn: Kronos entspricht in der römischen Mythologie dem Gott Saturnus (Saturn). Auf diesen Zusammenhang geht die englische Bezeichnung Saturday (Saturns Tag / Samstag) zurück.
Abgrenzung von Chronos: In der orphischen Mythologie existiert der Gott Chronos >> als Personifikation der Zeit. Obwohl beide Figuren in der Antike und Neuzeit lautlich und ikonographisch (z. B. Sichel/Sense und Sanduhr) oft miteinander verschmolzen, sind Kronos (der Titan) und Chronos (die Zeit) primär getrennte Gestalten.
7. Philosophische Betrachtung: Gut vs. Böse
Hatte Kronos aus seiner Sicht berechtigte Gründe, seine Kinder zu verschlingen, um den ewigen Machtkampf und das drohende Unheil der Götterkriege zu verhindern?
Tragik
Die antike Tragik des Kronos liegt darin, dass sein Versuch, die Weltordnung zu stabilisieren und seinen eigenen Sturz zu verhindern, genau das Schicksal herbeiführte, vor dem er sich fürchtete. Das Motiv des Kinderverschlingens spiegelt zudem die unerbittliche Natur der Zeit wider: Die Zeit bringt alles hervor, um es schließlich wieder zu verschlingen. In der griechischen Mythologie wird diese Perversität in aller Ausführlichkeit beschrieben. Einen moralischen Kompass hat das Alleins (Universum) NICHT. Gut = böse und böse = gut -> zwei Seiten derselben Medaille -> Dualismus.
Quellennachweis und Literatur
Hesiod: Theogonie (133–138, 159–200, 453–506)
Bibliotheke des Apollodor: (1,1,4; 2,1,1)
Servius: Kommentar zu Vergils Aeneis >> (5,801)
Frank Bezner: Kronos. In: Der Neue Pauly. Supplemente Band 5 (2008), S. 404–407.
Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen (dtv 1994).
Wilhelm Heinrich Roscher: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (Band 2,1, Leipzig 1894).
Quelle: mythologie-antike.com (Eintrag t50: Kronos).
Beitrag
Kronos (Saturn) und der Samstag 6 / 33 >>