Hyperborea: Zwischen Paradies und Missbrauch (Einleitung)
In der griechischen Mythologie gilt Hyperborea als ein unbeschwerter Sehnsuchtsort – ein vom Lichtgott Apollon gesegnetes Paradies im fernen Norden, in dem die Menschen frei von Krankheit, Altern und Leid leben. Doch so faszinierend diese alten Sagen sind, so problematisch ist der Begriff in der Neuzeit. Das mythische Hyperborea wurde im 19. und 20. Jahrhundert für rassistische Ideologien zweckentfremdet. Maßgeblich geprägt durch die Okkultistin Helena Blavatsky, wurden auf Basis dieses Mythos rassistische Theorien konstruiert, die bis heute in bestimmten Kreisen nachwirken. Aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit Hyperborea stets von dieser dunklen, modernen Rezeptionsgeschichte überschattet.
Hyperborea: Steckbrief
Name: Hyperborea (altgriechisch: Ὑπερβορέα)
Bedeutung des Namens: * Traditionell: „Jenseits des Nordwinds“ (abgeleitet vom winterlichen Nordwind Boreas >>).
Alternative sprachliche Spekulation: „Jenseits der Berge“ (abgeleitet vom altgriechischen Wort *boris für Berg).
Geografische Lage: Liegt am äußersten nördlichen Rand des Erdkreises. Eine reale Verortung ist unmöglich. In unmittelbarer Umgebung soll sich der mystische Fluss Eridanos befinden.
Klima: Ganzjährig mildes und paradiesisches Klima; es existiert dort keine Kälte.
Erreichbarkeit: Für normale Sterbliche ist es unmöglich, den Ort zu finden. Der Weg ist durch extreme Unwetter, Stürme und andere Widrigkeiten versperrt. Nur sehr wenigen antiken Helden (Heroen) soll es laut Mythos gelungen sein, dorthin zu gelangen.
Die Einwohner (Hyperboreer): Sie führen ein sorgenfreies Leben, das frei von Krankheiten und biologischem Altern ist.
Das Konzept des Todes: Der personifizierte Tod (Thanatos) >> ist in Hyperborea nicht aktiv. Ein Sterben im klassischen Sinne gibt es nicht; stattdessen schlafen die Bewohner nach einer erfüllten Zeit einfach ein – ein Zustand, der in der Mythologie nicht mit dem gewöhnlichen Tod gleichgesetzt wird.
Kult und Gottheiten
Apollo (Apollon) >>: Der Gott des Lichts steht an oberster Stelle. Da er die Kälte verabscheut, zieht er sich während der Wintermonate traditionell nach Hyperborea zurück. Es gibt dort eine eigene Apollon-Priesterschaft.
Artemis >>: Als Zwillingsschwester von Apollo spielt auch die Göttin der Jagd eine bedeutende Rolle im Kultwesen Hyperboreas.
Problem
Zentrale Problematik (Moderne Rezeption): Missbrauch des Mythos als Fundament für okkulte Rassentheorien (insb. durch Helena Blavatsky), weshalb der Ort heute stark negativ und ideologisch vorbelastet ist.
Quellen
Das Hyperborea ein fester Bestandteil der antiken Geisteswelt war, zeigen die Erwähnungen bei zahlreichen klassischen Autoren:
Herodot (Historien 4,32–35): Berichtet unter anderem über die Weltkarte des Herodot und die hyperboreische Jungfrau Opis.
Ovid (Metamorphosen 2.324; 2.365)
Pindar (Pythische Oden 10.27)
Apollonios von Rhodos (Argonautika 4.594)
Bibliotheke des Apollodor (2,5,11)
Antoninus Liberalis (Metamorphosen 20)
Hyginus Mythographus (Fabulae 152; 154)
Hyperborea, Norden und Arier
Missbraucht wird auch der Begriff Arier in Kombination mit Hyperborea und Norden. Der Begriff Arier bezieht sich jedoch nicht auf Norden, sondern auf die Perser / Iraner >>.
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