Phobos: Dämon der Furcht und Phobie (Einleitung)
In der griechischen Mythologie wurden abstrakte Emotionen und Zustände oft nicht bloß als menschliche Regungen verstanden, sondern als mächtige, eigenständige Wesenheiten personifiziert – sogenannte Dämonen. Einer der gefürchtetsten unter ihnen ist Phobos, der Dämon der Furcht und der panischen Angst. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Deimos (dem Schrecken) bildet er ein unzertrennliches Gespann, verbunden mit den Schrecken des Krieges und dem Blutvergießen. Phobos ist kein gütiger Gott, dem man opferte, um Segen zu erlangen, sondern eine Naturgewalt der menschlichen Psyche, deren bloße Erwähnung Lähmung und Flucht hervorrief. Seine mythologische Bedeutung hallt bis in die heutige Zeit nach, denn sein Name steht Pate für eines der bekanntesten Phänomene der modernen Psychologie und Medizin: Die Phobie.
Phobos: Steckbrief
Name: Phobos (altgriechisch: φόβος phóbos)
Lateinische Entsprechung: Timor >> (oder auch Terror)
Funktion / Zuständigkeit: Dämon der Furcht, der panischen Angst und Heros der Phobie. Seine Aufgabe ist das Auslösen von lähmender Angst und Fluchtreflexen.
Eltern: Er ist der Sohn der Aphrodite >> (Göttin der Liebe und Schönheit) und des Ares >> (Gott des grausamen Krieges und Blutbades).
Geschwister: Sein Zwillingsbruder ist Deimos >> (der Dämon des Schreckens).
Gefolge und Verbündete: Er gehört fest zum Gefolge seines Vaters Ares. Gemeinsam mit Deimos, der Kriegsgöttin Enyo >>, der Verderbensgöttin Ker >> und dem Nahkampfdämon Kydoimos bildet er das unbarmherzige "Team Ares".
Erscheinungsbild
In antiken Beschreibungen (wie in Homers Ilias) wird Phobos oft als furchteinflößende Gestalt dargestellt.
Attribute: Häufige Abbildung auf Kriegsschilden (unter anderem auf dem Schild des berühmten Königs Agamemnon von Mykene >>), um Feinde in die Flucht zu schlagen.
Merkmale: Auf manchen Darstellungen besitzt er einen löwenartigen Kopf. Er wird mit feurig glühenden Augen und weiß leuchtenden, bleckenden Zähnen beschrieben.
Bedeutende mythologische Taten
Der Trojanische Krieg >>: Phobos und Deimos spannten die Pferde vor den Kampfwagen ihres Vaters Ares und zogen mit ihm in die Schlacht, um unter den Kämpfern von Troja Furcht und Schrecken zu verbreiten. Als Ares verwundet wurde, brachten sie ihn im Kampfwagen sicher zurück zum Olymp, damit der Heilgott Paian >> seine Wunden versorgen konnte.
Kampf gegen Typhon >>: Als der Göttervater Zeus >> gegen das mächtige Ungeheuer Typhon kämpfte, stand ihm Phobos im zweiten Gefecht zur Seite. Zeus stattete Phobos dabei mit dem mächtigen Blitzbündel aus (während Deimos den Donnerkeil >> erhielt).
Kult und Verehrung
Obwohl er ein Schreckensdämon war, gab es im antiken Sparta >> ein eigenes Heiligtum (einen Tempel) für Phobos. Die Spartaner glaubten, dass ein Staat und seine Ordnung nur auf der Basis von gesunder Furcht und Respekt funktionieren kann.
Erklärung des Fachbegriffs „Phobie“
Das moderne Wort Phobie leitet sich direkt vom altgriechischen Namen des Dämons (phóbos = Flucht, Furcht, panische Angst) ab. In der Mythologie galt Phobos als derjenige, der diese Zustände über die Menschen brachte. In der modernen Medizin und Psychologie hat der Begriff eine ganz präzise Definition erhalten:
Unterschied zwischen allgemeiner Angst und Phobie: Während eine allgemeine, diffuse Angst keinen konkreten Auslöser hat und Betroffene oft nicht wissen, wovor sie sich eigentlich ängstigen, ist eine Phobie eine krankhafte, übersteigerte Angst vor konkreten Objekten, Situationen oder Aktivitäten.
Beispiele: Die bekannte Spinnen-Phobie >> (Arachnophobie) oder die Angst vor dem falschen bzw. verpassenden Zeitpunkt (Kairophobie >>).
Klassifikation: In der Medizin bilden diffuse Ängste und konkrete Phobien zusammen das Krankheitsbild der Angststörungen.
Zusatzfakt zur Sprache: Wenn die Angst so stark wird, dass sie in kopflose Panik umschlägt, ist dies sprachlich wiederum an einen anderen Gott angelehnt: Das Wort Panik leitet sich vom altgriechischen Hirtengott Pan >> ab, der ebenfalls für das Auslösen plötzlicher, kollektiver Schrecken bekannt war.
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