Griechische Mythologie und Antike

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Leto (Mutter)

Leto: Mutter der Artemis und des Apollon

In der griechischen Mythologie gilt Leto (römisch: Latona) als Sinnbild für Sanftmut, mütterliche Hingabe, aber auch für die unerbittliche Rache einer gedemütigten Gottminderung. Sie entstammt dem ältesten Göttergeschlecht: Als Tochter der Titanen Koios >> und der leuchtenden Phoibe >>, verkörpert sie die ruhige, dunkle Nacht >> vor dem Heraufziehen des Lichts >>.

1. Die folgenreiche Liebschaft mit Zeus

Mit ihrem sanften Wesen und ihrem dunklen Gewand, zog Leto das Begehren des Göttervaters Zeus >> auf sich. Doch die Gunst des höchsten Olympiers wurde für sie zum Fluch: Zeus schwängerte sie mit Zwillingen – den zukünftigen Göttern Apollon >> (Gott des Lichts, der Künste >> und der Weissagung) und Artemis >> (Göttin der Jagd und der Mondsichel). Als Hera >>, die eifersüchtige Gattin des Zeus, von der Schwangerschaft erfuhr, entbrannte ihr Zorn. Eine Prophezeiung besagte zudem, dass Letos Kinder noch mächtiger und bedeutender werden sollten als Heras eigene Nachkommen.

2. Die Flucht und der Erdenfluch

Um Leto zu vernichten, sprach Hera einen grausamen Fluch aus: Kein Fleck festen Landes, den die Sonne >> je beschienen hatte, durfte der hochschwangeren Leto Zuflucht gewähren, um ihre Kinder zu gebären. Zornig hetzte Hera zudem das Ungeheuer Python >>, einen riesigen Drachen, auf die Verfolgte an. Leto irrt verstoßen, erschöpft und von Schmerzen >> gequält durch die Welt, da jede Stadt und jedes Land aus Furcht >> vor Heras Rache die Tore vor ihr verschloss.

3. Das Wunder von Delos

Als die Not am größten war, erbarmten sich die Götter:

Poseidon >> (wahrscheinlich auf Weisung von Zeus oder Hermes >>) führte Leto auf die schwimmende, namenlose Felseninsel Delos (damals Ortygia).

Da die Insel noch ungebunden im Meer >> trieb und nicht fest in der Erde >> verwurzelt war, galt sie nicht als "festes Land" im Sinne von Heras Fluch. Es wird nicht übereinstimmend geschildert, wie die Kykladen-Insel Delos exakt entstand (siehe Asteria >>).

Hera gab nicht auf

Doch Hera gab nicht auf: Sie hielt Eileithyia >>, die Göttin der Geburtshilfe, auf dem Olymp >> zurück. Neun Tage und neun Nächte erlitt Leto qualvolle Wehen, ohne entbinden zu können. Erst als die anderen Göttinnen Eileithyia mit einem wundersamen, goldverzierten Halsband bestachen, eilte diese heimlich herbei. Unter einer goldenen Palme gebar Leto schließlich zuerst Artemis. Die neugeborene Göttin half sogleich ihrer Mutter, ihren Bruder Apollon zur Welt zu bringen. Im Moment ihrer Geburt erstrahlte die Insel in goldenem Glanz und schlug feste Wurzeln im Meeresgrund – aus der unscheinbaren Scholle wurde das Heiligtum Delos >> ("die Sichtbare").

4. Legendäre Episoden und die Rache der Sanftmütigen

Obwohl Leto als die friedfertigste und sanfteste aller Göttinnen beschrieben wird, schützten ihre Kinder ihre Ehre und ihr Leben ohne Erbarmen:

Die Lykischen Bauern (Verwandlung in Frösche): Auf der Flucht mit ihren Neugeborenen wollte Leto an einem See in Lykien (benannt nach Lykos >>) ihren Durst löschen. Einheimische Bauern verwehrten es ihr grob und wühlten den Schlamm auf, um das Wasser ungenießbar zu machen. Erbittert verwandelte Leto die herzlosen Bauern zur Strafe in Frösche, die ewig im Schlamm quaken müssen.

Der Riese Tityos: Der Riese Tityos >> versuchte im Auftrag Heras, Leto zu vergewaltigen. Apollon und Artemis streckten den Frevler mit ihren Pfeilen nieder; im Tartaros >> wurde er dazu verurteilt, dass Geier ewig an seiner Leber fressen.

Die Hybris >> der Niobe: Niobe >>, die Königin von Theben, brüstete sich stolz, 14 Kinder geboren zu haben, während Leto nur zwei zur Welt gebracht habe. Zornig über die Beleidigung ihrer Mutter, töteten Apollon und Artemis alle Kinder der Niobe mit ihren Pfeilen. Gegründet wurde Theben einst als Stadt Kadmeia von Kadmos >>.

5. Bedeutung im Olymp und Nachleben

Nach den Wirren ihrer Jugend >>, stieg Leto in den Rang einer hochgeachteten Göttin auf. Im Götterrat nimmt sie sogar an der Seite von Zeus Platz. Wenn Apollon den Olymp betritt, ist sie neben Zeus die Einzige, vor der er sich ehrerbietig neigt.

Zusammenfassung im Überblick

Abstammung: Koios und Phoibe

Partner: Zeus

Kinder: Die Zwillinge Apollon und Artemis

Attribute / Wesen: Sanftmut, Geduld, mütterlicher Schutz, dunkles Gewand

Römischer Name: Latona

Hauptkultorte: Delos, Letoon (bei Xanthos in Lykien

Kompletter Beitrag

Leto, Mutter der olympischen Zwillinge Apollon und Artemis >>

Rhea (Mutter)

Rhea: Mutter des Zeus

Herkunft und Stellung

Rhea gehört zum ersten Geschlecht der Götter, den Titanen.

Eltern: Sie ist die Tochter von Gaia >> (der Erde) und Uranos >> (dem Himmel).

Gemahl: Ihr Bruder Kronos >>, der Herrscher der Titanen, ist gleichzeitig ihr Gemahl. Als seine Frau galt Rhea als die oberste Titanin.

Die Mutter des Zeus und Rettung der Olympier

Ihre mythologisch bedeutendste Rolle ist die der Mutterschaft:

Die verschlungenen Kinder: Aus der Verbindung mit Kronos gingen die ersten olympischen Götter hervor:

Hestia >>

Demeter >>

Hera >>

Hades >>

Poseidon >>

Da Kronos fürchtete, von einem seiner Kinder entmachtet zu werden, verschlang er sie alle direkt nach der Geburt.

Die Rettung von Zeus: Um ihr jüngstes Kind Zeus >> zu schützen, täuschte Rhea ihren Gemahl (sie übergab ihm einen in Windeln gewickelten Stein) und versteckte Zeus (in einer Höhle auf der Insel Kreta >>).

Befreiung der Geschwister: Später half Rhea Zeus dabei, Kronos dazu zu bringen, die bereits verschlungenen Geschwister wieder auszuspeien.

Funktion und Attribute

Bedeutung: Rhea wird ursprünglich als Göttin der Mutterschaft und Fruchtbarkeit beschrieben. Nach dem Machtwechsel übernahmen ihre Töchter Demeter (Fruchtbarkeit der Erde) und Hera (Ehe und Mutterschaft) wesentliche Teile dieser Domänen.

Erkennungszeichen: In Erzählungen und Darstellungen fährt Rhea in einem Wagen, der von zwei Löwen gezogen wird.

Rolle in der Titanomachie und heutiger Verbleib

Krieg der Götter: Am großen Krieg >> zwischen den Olympiern und den Titanen (Titanomachie) nahm Rhea – wie die meisten weiblichen Titanen – nicht aktiv teil.

Der Fluss der Zeit: Zusammen mit Kronos verkörpert Rhea den mythologischen Fluss der Zeit.

Aktueller Aufenthaltsort: Dem Mythus nach lebt Rhea heute zusammen mit Kronos auf den Inseln der Seligen >> (Elysion) im Goldenen Zeitalter >>.

Beitrag

Rhea, Mutter des Zeus >>

Algea (Schmerzen / Schmerz)

Algea = Schmerzen und Algos = Schmerz: Einleitung

In der antiken griechischen Mythologie verkörpern viele göttliche Wesenheiten die unvermeidlichen, oft düsteren Realitäten des menschlichen Daseins. Zu diesen abstrakten Personifikationen (Daimonas) gehören die Algea (Singular: Algos), welche die allumfassenden, tränenreichen Facetten des Schmerzes darstellen. Als Nachkommen der Zwietracht bringen sie leidvolle Erfahrungen über die Menschheit, bieten jedoch gleichzeitig das begriffliche Fundament, auf dem bis heute unsere moderne Schmerzmedizin fußt.

Algea / Algos: Steckbrief

Mythologische Daten und Einordnung

Name (Mehrzahl): Ἄλγεα (Álgea) – „die Schmerzen“

Name (Einzahl): Ἄλγος (Álgos) – „der Schmerz“

Mutter: Eris >>, die Göttin der Zwietracht, des Zanks und Streits. Laut Hesiods Theogonie brachte sie den Schmerz gemeinsam mit weiteren Plagen (wie Hunger >>, Mord, Verblendung und Gesetzlosigkeit >>) hervor.

Römisches Äquivalent: Dolor >> (Gott des Schmerzes)

Moderne Ableitung: Algesiologie (die medizinische Fachbezeichnung für die Schmerzheilkunde)

Die drei Dimensionen des Schmerzes

1. Lype (λύπη / lýpē) – Emotionaler Schmerz: Der Schmerz des Herzens. Er wird durch Traurigkeit, tiefe emotionale Leiden, Verluste und die Probleme des sentimentalen bzw. zwischenmenschlichen Lebens verursacht.

2. Ania (ἀνία / anía) – Psychischer Schmerz: Der Schmerz des Geistes bzw. des Verstandes. Hervorgerufen durch Stress >>, anhaltenden Kummer, Kränkungen und die alltäglichen Sorgen des Lebens. Dieser Schmerz galt bereits in der Antike als psychosomatisch wirksam (konnte beispielsweise zu Magen-Darm-Beschwerden führen).

3. Achos (ἄχος / ákhos) – Körperlicher Schmerz: Der rein physische Schmerz des Körpers. Er entsteht direkt durch körperliche Wunden, Verletzungen, Krankheiten oder Gifte >>.

Antike Quellen und Literatur

Hesiod: Theogonie (Verse 226–233)

Hyginus: Fabulae (Praefatio)

Alkman: Fragment 116 / Anacreon: Fragment 38

Wilhelm Heinrich Roscher: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 230)

Kompletter Beitrag

Der komplette Beitrag zum Steckbrief:

Algea / Algos und die Aspekte des Schmerzes >>