Boreas und der nasskalte Nordwind
Boreas (altgriechisch Βορέας, was übersetzt „der Nördliche“ bedeutet) ist in der griechischen Mythologie die Personifikation des nasskalten Nordwinds, der im Winter Kälte, Frost und Schnee bringt. Er gehört zur Gruppe der Anemoi (den Windgöttern) und wurde in der Antike, insbesondere in Athen >>, als kraftvolle und rettende Gottheit verehrt.
Herkunft und Verwandtschaft
Eltern: Boreas ist ein Sohn des Titans Astraios >> (Gott der Abenddämmerung) und der Eos >> (Göttin der Morgenröte).
Geschwister: Zu seinen bekanntesten Geschwistern zählen die weiteren Hauptwindgötter und der Morgenstern:
Zephyr >> (milder Westwind)
Euros >> (Ostwind)
Notos >> (warmer Südwind)
Eosphoros / Phosphoros (der Morgenstern >>)
Unter dem von Zeus eingesetzten Herrscher der Windgötter, Aiolos, existieren laut Darstellungen - wie dem Turm der Winde in Athen - noch weitere Wind-Geschwister (z. B. Kaikias >> für den Nordostwind und Lips >> für den Südwestwind).
Nachkommen
Boreas entführte Oreithyia >> (Tochter des athenischen Königs Erechtheus >>) und machte sie zu seiner Gemahlin. Aus dieser Verbindung gingen mehrere Kinder hervor:
Töchter: Chione >> (Göttin des Schnees) und Kleopatra >> (die spätere Gemahlin des Phineus >>).
Söhne: Die geflügelten Helden Kalaïs und Zetes >> (bekannt als die Boreaden) sowie Butes >>.
Windschnelle Fohlen: In einer weiteren Sage gestaltete Boreas sich in Hengstgestalt um und zeugte mit den Stuten des Erichthonios >> zwölf außergewöhnlich schnelle, „windschnelle“ Fohlen.
Mythologische Bedeutungen und Sagen
1. Verknüpfung mit Hyperborea
Der mythologische Hort hinter dem Nordwind ist das sagenhafte Land Hyperborea >> („jenseits des Nordwinds Boreas“). Dort soll ein paradiesisches Klima herrschen, weit abgelegen im äußersten Norden, nahe dem Fluss Eridanos >>.
2. Die Sintflut des Zeus
Als Zeus >> beschloss, die Menschheit durch eine gewaltige Flut (die Deukalionische Flut >>) auszurotten, half ihm Poseidon >>. Um die Wolken >> nicht durch den kräftigen Nordwind zu vertreiben, ließ Zeus Boreas in den Höhlen des Aiolos >> einsperren. Gleichzeitig ließ Zeus den Südwind frei.
3. Schutzpatron von Athen (König Xerxes und die Perserkriege)
Boreas besaß für die Athener eine besondere historische Bedeutung: Als der persische König Xerxes I im Jahr 480 v.u.Z. Athen angriff, bat die Bevölkerung den Nordwind um Beistand. Ein gewaltiger Sturm des Boreas zerstörte schätzungsweise 400 persische Kriegsschiffe im Umfeld der Seeschlacht von Salamis >>. Aus Dankbarkeit errichteten die Athener ihm einen eigenen Kult und verehrten ihn fortan als Schutzpatron der Stadt. Athen steht überdies unter dem Schutz der mächtigen Athene / Athena >>. In diesem Zusammenhang ist auch die Schlacht an den Thermopylen im Spätsommer des Jahres 480 v.u.Z. sehr spannend, siehe Leonidas I >>.
Antike Quellen
Die Geschichten um Boreas sind in zahlreichen antiken Werken dokumentiert:
Hesiod: Theogonie (378) – bezüglich der Abstammung von Astraios und Eos.
Homer: Ilias (20, 219) – Erzählung über die windschnellen Fohlen.
Bibliotheke des Apollodor (3, 199)
Weitere Erwähnungen bei Platon (Phaedrus), Pausanias (Beschreibung Griechenlands) sowie Ovid (Metamorphosen).
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