Eos und die Morgenröte
Eos (altgriechisch Ἠώς, Ēōs) ist in der griechischen Mythologie die Personifikation und Göttin der Morgenröte. Ihr entspricht in der römischen Mythologie die Göttin Aurora (nach der auch das Nordlicht / Polarlicht benannt ist). Polarlicht? In diesem Zusammenhang ist der Polarstern >> sehr spannend.
Erscheinung und Attribute
Bezeichnungen und Epitheta: Sie wird als „die Früherwachende“ bezeichnet. Oft wird sie als anmutig, schön gelockt, rosenarmig und mit rosenfarbenen Fingern („rosenfingerig“) beschrieben.
Kleidung: Sie trägt ein safranfarbenes Kleid.
Das Gespann: Eos fährt auf einem von zwei Pferden gezogenen Wagen über das Himmelszelt. Ihre Pferde heißen:
Phaeton („der Glänzende“)
Lampos („der Helle“)
Abstammung und Familie
Eltern: Eos ist die Tochter der Titanen Hyperion >> mit seiner Schwester und Gemahlin Theia >> (die „weithin Leuchtende“).
Geschwister:
Helios >> (der Sonnengott)
Selene >> (die Vollmondgottin)
Partner: Astraios >> (Titan der Abenddämmerung)
Bedeutsame Nachkommen
Eosphoros / Phosphoros (der Morgenstern bzw. Lichtbringer >>)
Die Windgötter (Anemoi): Euros >> (Ostwind), Zephyr >> (Westwind), Notos >> (Südwind), Boreas >> (Nordwind), Kaikias >> (Nordostwind) und Lips >> (Südwestwind).
Mythologische Rolle und Kosmologie
Der Aufstieg am Morgen
Eos hat ihren Thron an der Quelle des Okeanos >>. Von dort aus steigt sie jeden Morgen früh auf – noch bevor ihr Bruder Helios mit dem Sonnenwagen folgt. Diese strikte Reihenfolge symbolisiert das natürliche Phänomen, dass das Licht der Morgenröte im Osten dem Erscheinen der eigentlichen Sonne vorausgeht.
Das Wesen des Lichts
Im Gegensatz zu vereinfachten Schöpfungserzählungen (wie beispielsweise der Genesis [AT] der Bibel), unterscheidet die griechische Mythologie sehr detailliert zwischen verschiedenen Lichtarten (Morgenlicht, Sonnenlicht, Mondlicht), was sich in den drei Geschwistern Eos, Helios und Selene widerspiegelt.
Der Fluch der Aphrodite und die Schamröte
Eine der bekanntesten Sagen um Eos, erklärt die Entstehung des roten Morgenhimmels:
1. Die Verführung: Eos verführte den Kriegsgott Ares >>, welcher jedoch der Liebhaber der Liebesgöttin Aphrodite >> war.
2. Die Rache: Erbittert belegte Aphrodite Eos mit einem Fluch: Sie verurteilte Eos dazu, eine unstillbare Sehnsucht und Liebe nach sterblichen Männern und Knaben zu verspüren (wie etwa Tithonos >> oder der Riese Orion >>).
3. Die Schamröte: Durch diesen Fluch ist Eos gezwungen, am Morgen stets den Horizont nach sterblichen Männern abzusuchen. Die Scham darüber treibt ihr die Röte ins Gesicht – diese Schamröte der Eos lässt jeden Morgen den Himmel rot erstrahlen.
Antike Quellen
Hesiod: Theogonie (371, 378–382, 967–968, 984)
Homer: Ilias und Odyssee (u. a. Ilias 1,477; Odyssee 5,118–128)
Ovid: Fasti (4,373)
Homerische Hymnen: Hymnos 31 (an Helios)
Vergil: Aeneis >> (1,489)
Sappho: Fragment 140
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