Karpo: Herbst und ergiebige Ernte
In der griechischen Mythologie sind die Horen (altgriechisch Horai, was „Zeiten“, „Tageszeiten“ oder „Jahreszeiten“ bedeutet) göttliche Wesen, welche die Gesetzmäßigkeiten der Natur, den Wechsel der Jahreszeiten und den geregelten Kosmos verkörpern. Während Hesiod in seiner Theogonie vor allem die Horen der zweiten Generation besingt – Eunomia >> (gute Ordnung, Gesetzgebung), Dike >> (Gerechtigkeit) und Eirene >> (Frieden), welche die gesellschaftliche und sittliche Ordnung schützen –, befasst sich die traditionelle attische Naturmythologie mit den Horen der 1. Generation:
Thallo >>: (Göttin des Erblühens im Frühling)
Auxo >>: (Göttin des Wachstums im Sommer)
Karpo (Göttin der Reife und Ernte im Herbst)
Bedeutung und mythologische Rolle
Der Name Karpo (auch Carpo, altgriechisch Καρπώ) leitet sich direkt von dem altgriechischen Wort karpos (καρπός) ab, das übersetzt „Frucht“, „Ertrag“ oder „Korn“ bedeutet. Als Göttin des Herbstes steht Karpo für die letzte und entscheidende Phase des vegetativen Jahreskreises: Sie sorgt dafür, dass die im Frühling erblühten und im Sommer gewachsenen Früchte der Feldbestände, Obstbäume und Weinreben ihre vollkommene Reife erlangen. Erst durch ihr Wirken können die Menschen die Früchte der Erde >> ernten, Vorräte für den bevorstehenden Winter anlegen und das Überleben sichern.
Kult, Aufgaben und Begleiter
Gemeinsam mit ihren Schwestern Thallo und Auxo war Karpo in Athen >> ein festverankerter Bestandteil der ländlichen und städtischen Religion. Den Horen oblag im Mythos unter anderem die ehrenvolle Aufgabe, die Tore des Olymps >> zu bewachen und zu öffnen bzw. zu schließen. In der bildenden Kunst und in den Dichtungen erscheint Karpo häufig im Gefolge wichtiger Fruchtbarkeits- und Naturgottheiten:
Dionysos >>: Als Patron der Weinreben und der Traubenernte steht er in enger Verbindung zu Karpos Zuständigkeit für die späten Herbstfrüchte.
Demeter >> und ihre Tochter Persephone >>: Den Göttinnen des Ackerbaus und der Ernte steht Karpo als Vollstreckerin des herbstlichen Erntezyklus nah.
Aphrodite >>: Oft wird Karpo zusammen mit den Chariten >> (Grazien) als Begleiterin der Liebesgöttin dargestellt, wo sie die Schönheit und Opulenz der reifen Natur repräsentiert.
Karpo: Steckbrief
Name: Karpo (auch Carpo)
Altgriechischer Name: Καρπώ (Karpō)
Bedeutung des Namens: „Die Fruchtbringende“, „Die Ertragreiche“ (von karpos = Frucht, Ertrag)
Göttliche Funktion: Hore (Göttin) des Herbstes, der Fruchtreife und der Erntezeit
Generation: 1. Generation der Horen >> (attische/naturmythologische Jahreszeiten-Horen)
Eltern: Zeus >> (Göttervater) und Themis >> (Göttin des göttlichen Rechts und der Ordnung)
Geschwister: Thallo (Frühling/Blüte) und Auxo (Sommer/Wachstum); später auch Eunomia, Dike, Eirene
Jahreszeit: Herbst (Spätsommer bis zur Ernte)
Hauptaufgaben und Sonstiges
• Herbeiführen der Fruchtreife von Baum-, Feld- und Weinobst
• Ermöglichung einer ertragreichen Ernte
• Bewachung der Wolkentore des Olymps zusammen mit ihren Schwestern
Attribute / Symbole: Reife Früchte (Äpfel, Feigen, Trauben), Ährenbündel, Füllhorn >> (Cornucopia), Herbstlaub, Erntemesser
Assoziierte Gottheiten: Dionysos (Wein/Landwirtschaft), Demeter (Ackerbau), Persephone, Aphrodite, die Chariten
Verehrung und Kultorte: Athen (eigener Altar und staatliche Opfergaben zusammen mit Thallo und Auxo)
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