Zephyros: Der milde Westwind und der Frühling
Wenn der Winter seine eiskalten Klauen vom Land zieht und die ersten Knospen sanft erwachen, spüren die Menschen seit jeher sein Herannahen: Zephyros (auch Zephyr oder Zephyrus), der altgriechische Gott des milden Westwinds. Als sanfter Bote des Frühlings >>, bringt er Wärme und Leben zurück in die Welt – doch die Mythologie zeichnet von ihm keineswegs nur das Bild eines harmlosen Windhauchs.
Herkunft: Kind der Dämmerung und des Sternenhimmels
Zephyros gehört zu den Anemoi, der Gruppe der griechischen Windgötter. Seine Herkunft ist von göttlicher Poesie durchdrungen:
Die Mutter: Eos >>, die Göttin der Morgenröte.
Der Vater: Astraios >>, Titan der Abenddämmerung und Vater der Sterne.
Brüder
Aus dieser Verbindung entsprangen auch Zephyros’ Windbrüder, darunter der nasskalte Nordwind Boreas >>, der heiße Südwind Notos >> und der frostige Ostwind Euros >>. Unter ihnen gilt Zephyros – oft auch als „der vom Berge Kommende“ bezeichnet – als der wohlwollendste und ersehnteste. Weitere Windbrüder sind z. B. Kaikias >> (Nordostwind) und auch Lips >> (Südwestwind). Der altgriechische Morgenstern >> ist ebenfalls ein Bruder des Zephyros.
Gefährliche Leidenschaft: Das Schicksal des Hyakinthos
So sanft Zephyros als Frühlingsbote auch sein mag, in der Liebe >> offenbarte er einst eine düstere, leidenschaftliche Seite. Ein Mythos überliefert seine Zuneigung zu dem wunderschönen Jüngling Hyakinthos >>. Doch Zephyros war nicht der Einzige, der dem Charme des Hyakinthos erlag: Auch der Licht- und Allroundergott Apollon >> begehrte den jungen Mann. Als Zephyros mitansehen musste, wie Hyakinthos den Gott Apollon vorzog, überwältigte ihn rasende Eifersucht.
Tod des Hyakinthos
Während Apollon und Hyakinthos sich im Diskuswerfen übten, ergriff Zephyros seine Chance: Er fing den von Apollon geworfenen Diskus mit einem heftigen Windstoß ab und lenkte ihn tückisch um. Die schwere Scheibe traf Hyakinthos am Kopf und tötete ihn auf der Stelle. Aus dem Blut des toten Hyakinthos ließ der trauernde Apollon schließlich die erste Hyazinthe erwachsen.
Unsterbliche Nachkommen: Die Rösser des Achilles
Auch die Beziehungen des Zephyros zu Fabelwesen, hinterließen Spuren. Aus einer Verbindung mit der Harpyie >> Podarge gingen zwei der berühmtesten Pferde der Antike hervor:
Xanthos und Balios >>: Die beiden unsterblichen Wunderpferde, die später den Streitwagen des mächtigen Helden Achilleus >> (Achilles mit seiner weltberühmten Achillesferse) im Trojanischen Krieg >> zogen.
Karpos
Daneben wird ihm auch Karpos >> als Sohn zugeschrieben, die Personifikation der Früchte der Erde >> – eine passende Nachkommenschaft für den Gott, der die Natur zum Blühen bringt.
Fazit
Zephyros verkörpert den perfekten mythologischen Zwiespalt der Natur. Er ist der ersehnte Windhauch, der Eis schmelzen lässt und das Leben bringt – und doch wohnt der Unberechenbarkeit des Windes stets ein Hauch von Gefahr und Leidenschaft inne.
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