Selene und der Vollmond
Wenn der Tag >> verblasst und die Dunkelheit die Erde >> einhüllt, betritt eine der erhabensten Gestalten des griechischen Himmels die Bühne: Selene (römisch Luna), die Göttin des Vollmonds. Ihr Name entstammt dem altgriechischen Wort Σελήνη (Selḗnē), was schlicht „Mond“ bedeutet. Sie ist nicht einfach nur eine Wächterin der Nacht >> – sie ist das leuchtende Herz des Nachthimmels.
Die vollkommene Pracht des Mondlichts, der Monat und der Montag
Während andere Gottheiten Teilaspekte des Monds verkörpern – wie Artemis >> die zarte Mondsichel oder die Nymphe Perse >> den Neumond –, steht Selene für die volle, vollkommene Pracht des Mondlichts. Noch heute hallt ihr Erbe in unserem Alltag nach: Der Monat als Zeiteinheit und der Montag sind ihr direkt gewidmet.
Göttliche Herkunft und mächtige Geschwister
Selene entstammt dem Geschlecht der urzeitlichen Titanen. Laut Hesiods Theogonie ist sie die Tochter des Titanen Hyperion >> und der strahlenden Theia >>.
Das unzertrennliche kosmische Gespann:
1. Helios >>, ihr Bruder, zieht am Tag als Sonnengott mit seinem feurigen Gespann über den Himmel (der urzeitliche Himmel bzw. das Himmelsgewölbe heißt Uranos >>).
2. Eos >>, ihre Schwester, bringt als Göttin der Morgenröte das erste Licht des neuen Tages.
3. Selene schließlich übernimmt die Nacht und taucht die Welt in ihr kühles, silbernes Licht.
Schatten, Licht und Nachkommen mit Zeus
Auch der höchste Gott des Olymp, Zeus >>, konnte sich dem geheimnisvollen Zauber Selenes nicht entziehen. Aus ihrer nächtlichen Verbindung gingen bedeutungsvolle Töchter hervor:
Ersa >>, die Göttin des sanften Morgentaus,
Pandia >>, die Göttin des strahlenden Lichts,
Nemea >>, die Nymphe und Namensgeberin der Nemeischen Spiele.
Die ewige Liebe zu Endymion und das Rätsel der 50 Töchter
Eine der faszinierendsten und romantischsten Geschichten der Mythologie ist Selenes Liebschaft mit Endymion >>, einem sterblichen König von Elis >>.
Selene beschenkte ihren geliebten Endymion mit der Gabe der ewigen Jugend >> (oft verbunden mit einem ewigen Schlaf >>, in dem er makellos blieb). Aus dieser intensiven Verbindung gingen 50 Töchter hervor. Mythologisch werden diese 50 Töchter als die 50 Priesterinnen der Selene gedeutet.
Kontrast
Hier zeigt sich ein spannender Kontrast in der griechischen Mythologie: Während Selenes Schwester Eos von Aphrodite >> mit einem Fluch belegt wurde und sich gequält immer wieder mit sterblichen Männern paaren musste, wählte Selene ganz bewusst und aus freiem Willen einen Sterblichen, um ihre heiligste Priesterschaft zu erschaffen.
Die Erschaffung einer Bestie: Der Nemeische Löwe
Neben ihrer sanften, leuchtenden Seite verbirgt Selene auch eine dunkle, schöpferische Macht >>. Zwar schreiben die meisten antiken Mythen die Geburt des legendären Nemeischen Löwen >> – jenes furchterregenden Ungeheuers mit der unzerstörbaren Haut – Typhon >> und dem Scheusal Echidna >> zu, doch existiert eine packende Variante der Sage:
Demnach erschuf Selene selbst den Nemeischen Löwen auf Befehl der Götterkönigin Hera >>, um die Erdenwelt auf die Probe zu stellen – dieselbe Bestie, die später der Heros Herakles >> in seiner ersten Heldentat bezwingen musste.
Ein ewig leuchtendes Vermächtnis
Selene fasziniert nicht nur die Antike, sondern prägt die Welt bis heute: Das chemische Element Selen wurde in Anlehnung an ihre magische, silbrig leuchtende Natur nach der Vollmondgöttin benannt.
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