Dike: Hore der Gerechtigkeit
In der griechischen Mythologie verkörpert Dike (altgriechisch Δίκη Díkē, was schlicht „Gerechtigkeit“ bedeutet) das Prinzip der moralischen Gerechtigkeit und das gerechte Urteil unter den Menschen. Sie gehört zur zweiten Generation der Horen >> – einer Gruppe von Göttinnen, die für die gesellschaftliche Ordnung, das Gesetz und den Frieden zuständig sind (im Gegensatz zur ersten Generation, die primär die Jahreszeiten und den Naturkreislauf regiert). Ihre Schwestern dieser Generation sind Eunomia (die Gesetzmäßigkeit) und Eirene (der Frieden).
Sterbliche Natur
Dike unterscheidet sich von den übrigen Horen durch eine besondere Eigenschaft: Sie gilt in der Überlieferung als die einzige sterbliche Hore. Sie pflegte eine außerordentlich enge Bindung zu ihrem Vater Zeus. Wann immer Menschen das Recht beugten oder unehrliche Urteile fällten, eilte Dike an den Thron ihres Vaters auf dem Olymp, um Klage zu erheben und die Bestrafung der Frevler einzufordern. Wie der Dichter Hesiod in seiner Schrift Werke und Tage schildert, gedeiht eine Gemeinschaft, wenn das Recht geachtet wird; wird es jedoch gebeugt, zieht dies göttlichen Unmut und Verderben nach sich.
Dike auf der Erde
Ursprünglich sandte Zeus seine Tochter auf die Erde, damit sie direkt unter den Sterblichen weile und ihnen ein gerechtes Zusammenleben lehre. Während des Goldenen Zeitalters >> lebten die Menschen noch in Harmonie mit ihr. Doch im Laufe der Zeit – insbesondere zum Ende des Bronzenen Zeitalters – verdarb das Menschengeschlecht zusehends durch Habgier, Tücke und Gewalt >>. Enttäuscht floh Dike als letzte verbliebene göttliche Macht >> von der Erde gen Himmel (womöglich in Begleitung von Aidos, der Personifikation des Schamgefühls und des Anstands). Zum Dank für ihr Wirken und zur Mahnung an die Menschheit setzten die Götter Dike an den Firmament: Sie wurde als Teil des Sternbilds Jungfrau (Virgo) verewigt.
Dike: Steckbrief
Name: Dike (altgriechisch Δίκη Díkē = Gerechtigkeit)
Wesen / Typus: Hore der 2. Generation, Personifikation der Gerechtigkeit und des Rechts
Eltern: Zeus >> (Göttervater) und Themis >> (Titanin der Ordnung und Gerechtigkeit)
Geschwister: (2. Gen. Horen): Eunomia >> (Gesetzgebung / Ordnung) und Eirene >> (Frieden)
Besonderheit: Einzige sterbliche Hore
Zuständigkeit / Funktion
• Überwachung des gerechten Richtens unter den Menschen
• Anzeige von Rechtsbrüchen direkt bei Zeus auf dem Olymp
• Bewahrung der moralischen Ordnung in der Gesellschaft
Sonstiges
Aufenthaltsorte: Ursprünglich auf Erden >> unter den Menschen; nach der Flucht von der Erde am Himmel als Sternbild
Katasterismus (Sternbild): Teil des Sternbilds Jungfrau (Virgo) am Firmament
Mythologischer Rückzug: Floh am Ende des Bronzenen Zeitalters wegen der Verderbtheit der Menschheit in den Himmel (evtl. mit Aidos >>)
Wichtige antike Quellen:
• Hesiod: Theogonie (901–902) und Werke und Tage (220–227, 256–261)
• Orphische Hymnen (Hymne 63)
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