Oblivio und die Vergesslichkeit / Amnesie: Einleitung
Menschliche Empfindungen, Geisteszustände und Phänomene werden in der klassisch-antiken Mythologie durch Wesenheiten (Gottheiten / Daimons) personifiziert. Zu diesen Wesenheiten gehört Oblivio, die römische Gottheit bzw. Personifikation der Vergesslichkeit und der Amnesie. Während in vielen Erzählungen die großen olympischen Götter >> im Mittelpunkt stehen, spiegeln Figuren wie Oblivio das Antlitz der menschlichen Psyche und Vergänglichkeit wider. Oblivio verkörpert den Zustand des Entgleitens von Erinnerungen sowie das Lückenhaftwerden des menschlichen Bewusstseins.
Oblivio: Steckbrief
Name: Oblivio (lateinisch für „Vergesslichkeit“)
Griechische Entsprechung: Lethe (als Göttin/Personifikation) / altgriechisch αμνησία (amnisía) / griechisch ξεχνώντας (xechnóntas = das Vergessen)
Bedeutung / Funktion: Gottheit und Personifikation der Vergesslichkeit sowie der Amnesie
Eltern gemäß Hyginus: Gaia >> (Erde) und Aither >> (Licht/Äther)
Geschwister
• Ultio >> (Rache)
• Dolos >> (Betrug / Täuschung)
• Dolor >> (Schmerz)
• Ira / Lyssa >> (Wut / Raserei)
• Aergia >> (Faulheit)
• Timor >> (Angst / Furcht / Terror)
• Altercatio >> (Zank / Streit / Konflikt, altgriechisch Eris >>)
Aufgabe und Wohnort: Bewacht gemeinsam mit Aergia (Faulheit) und Hesychia / Quies >> (Ruhe) das Reich des Hypnos >> (Gott des Schlafes).
Wichtige Abgrenzung: Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Unterweltsfluss Lethe >>, aus dem die Seelen der Verstorbenen trinken, um ihr irdisches Leben zu vergessen.
Literarische Quelle
Hyginus Mythographus, Fabulae
Fachbegriff Amnesie
Der Begriff Amnesie leitet sich vom altgriechischen Wort αμνησία (amnisía) ab, das sich aus dem vorsetzenden a- („ohne / nicht“) und mnēsis („Erinnerung / Gedächtnis“) zusammensetzt. Es bedeutet somit wörtlich „Erinnerungslosigkeit“. Die Titanengöttin Mnemosyne >> personifiziert die Erinnerung bzw. das Gedächtnis.
1. Medizinische Definition
In der Medizin, Neurologie und Psychologie bezeichnet eine Amnesie eine Form der Gedächtnisstörung, bei der das Erinnerungsvermögen für zeitliche Abläufe oder inhaltliche Fakten beeinträchtigt oder vollständig aufgehoben ist.
2. Arten der Amnesie
Anterograde Amnesie: Die Fähigkeit, neue Informationen und Ereignisse nach dem auslösenden Moment (z. B. nach einem Unfall oder Trauma) abzuspeichern, ist gestört.
Retrograde Amnesie: Betroffene können nicht mehr auf Erinnerungen zugreifen, die vor dem auslösenden Ereignis erworben wurden.
Transiente globale Amnesie (TGA): Eine vorübergehende, plötzlich auftretende Gedächtnisstörung, die meist innerhalb von 24 Stunden wieder vollständig abklingt.
3. Abgrenzung zur Demenz
Amnesie: Tritt häufig als Folge von konkreten Ereignissen auf (z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Vergiftung, seelisches Trauma) und betrifft primär das Gedächtnis.
Demenz: Bezeichnet im Gegensatz dazu eine anhaltende und fortschreitende Beeinträchtigung mehrerer kognitiver Fähigkeiten (Gedächtnis, Orientierung, Sprachverständnis, Urteilsvermögen). Bekannte Krankheitsbilder der Demenz sind beispielsweise die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz.
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