Horme, Aktivität und Hormone: Einleitung
Alle Aspekte des menschlichen Daseins sind in der griechischen Mythologie bedeutsam, aus diesem Grund gibt es Tausende von Personifikationen. Interessant ist dabei auch das göttliche Wesen Horme. Horme ist die Göttin des Tatendrangs und der Aktivität. Obwohl Horme in den Mythen eher selten im Vordergrund steht, reicht ihre Bedeutung weit in die Moderne hinein: Von der Pädagogik Maria Montessoris bis hin zur biologischen Bezeichnung unserer körpereigenen Botenstoffe (Hormone).
Horme: Steckbrief
Name: Horme (altgriechisch Ὁρμή Ormí, übersetzt: Schwung, Drang, Ansturm)
Bedeutung: Göttin und Personifikation der Aktivität, des Tatendrangs und der zielgerichteten Bewegung
Gegenspielerin: Aergia >> (Göttin der Faulheit, Trägheit und Untätigkeit)
Erscheinung / Zuordnung: Symbolisiert den Anstoß, eine Handlung zu beginnen – sowohl im Alltag als auch im Krieg >> (der Ansturm/Andrang in einer Schlacht)
Kult und Verehrung: In Athen >> gab es Überlieferungen zufolge einen Altar für sie, wo sie als Begleiterin/Dienerin im Umfeld von Zeus >> und der weisen Athene >> geachtet wurde
Hauptquelle: Hyginus Mythographus (Fabulae)
Das Konzept der Montessori-Schulen und „Horme“
In der modernen Reformpädagogik hat die Begründerin Maria Montessori (1870–1952) den altgriechischen Begriff Horme aufgegriffen und ihm eine zentrale Rolle in ihrer Theorie der Kindesentwicklung gegeben:
Der innere Bautrieb: Montessori verstand unter Horme einen unbewussten, schöpferischen Lebensdrang des Kindes. Es ist die eingepflanzte Energie, aus sich selbst heraus aktiv zu werden, die Umwelt zu erkunden und sich selbst zu entwickeln.
Selbstkonstruktion: Nach Montessori lernt ein Kind nicht primär durch äußeren Zwang, sondern weil sein innerer „Horme-Drang“ es dazu antreibt („Hilf mir, es selbst zu tun“).
Die Montessori-Schule: Die Lernumgebung in Montessori-Schulen ist genau so gestaltet, dass dieser natürliche Tatendrang nicht unterdrückt, sondern gezielt angeregt wird – durch freie Wahl der Aufgaben, selbstständiges Arbeiten und speziell entwickeltes Lernmaterial.
Der Begriff „Hormon“
Etymologie: Das Wort Hormon wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom britischen Physiologen Ernest Starling geprägt. Es leitet sich vom altgriechischen Verb hormao (ὁρμάω – „in Bewegung setzen“, „antreiben“) ab, das eng mit der Göttin Horme verwandt ist.
Biologische Funktion: Hormone sind biochemische Botenstoffe unseres Körpers. Sie werden von Drüsen ins Blut abgegeben und setzen an Zielorganen konkrete Reaktionen in Gang – sie treiben also Stoffwechselprozesse, Wachstum, Gefühle und Aktivitäten im Körper an.
Ohne die chemischen „Impulsgeber“ (Hormone) gäbe es im Körper keine koordinierte Aktivität – ganz im Sinne der antiken Göttin des Schwungs.
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