Limos und der Hunger: Einleitung
In der reichhaltigen Welt der griechischen Mythologie begegnen uns nicht nur strahlende Helden und erhabene Gottheiten, sondern auch düstere, personifizierte Natur- und Lebenserscheinungen. Zu diesen unheimlichen Wesenheiten gehört Limos (altgriechisch Λιμός), die göttliche Personifikation des Hungers und der Hungersnot. Limos ist kein wohlwollender Gott, dem Tempel errichtet wurden, sondern eine gefürchtete Macht, die Elend und Verderben über die Menschheit bringt. Als Kind der Zwietracht agiert er stets im Schatten des Leids und stürzt jene, die von ihm heimgesucht werden, in unstillbare Pein. Berühmtheit erlangte Limos insbesondere durch die literarischen Schilderungen in Ovids Metamorphosen, wo seine verheerende und unbarmherzige Natur – wie etwa beim grausamen Schicksal des Königs Erysichthon – eindringlich vor Augen geführt wird.
Limos: Steckbrief
Name (altgriechisch): Λιμός (Limós)
Bedeutung: Hunger, Hungersnot
Wesen / Funktion: Gott / Daimon (Dämon), der quälenden Hunger erzeugt und Hungersnöte über die Sterblichen bringt.
Mutter: Eris >> (Zwietracht, Zank, Streit und Konflikt).
Geschwister
Limos teilt sich die Abstammung mit zahlreichen weiteren finsteren Gestalten und Plagen der Menschheit, darunter:
Phonos >> (heimtückischer Mord)
Lethe: Daimona des Vergessens (römisch Oblivio >>, gemäß Hyginus andere Genealogie)
Ponos: Gott der mühsamen, quälenden Arbeit
Dysnomia >> (Gesetzlosigkeit)
Algea >> (Schmerzen)
Makhai >> (Kämpfe und Gefechte)
Charakter
Charakter und Wesen: Unbarmherzig, grausam, unersättlich. Er wird in den Mythen als durchweg fiese Gestalt beschrieben, die das Handwerk des Quälens meisterhaft beherrscht.
Bekannte Mythen
Das Schicksal der Charila: Einbindung in Mythen um Not, Armut und das tragische Schicksal des Waisenmädchens Charila >>.
Bestrafung des Erysichthon (nach Ovid): Auf Geheiß der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter >> nistet sich Limos in den Eingeweiden des gotteslästerlichen Königs Erysichthon >> ein. Dieser entwickelt daraufhin einen so unstillbaren, brennenden Hunger, dass er sein gesamtes Hab und Gut verzehrt und sich am Ende aus Verzweiflung selbst auffrisst.
Antike Quellen und Literatur der Neuzeit
Hesiod: Theogonie (Vers 227) – Nennung als Nachkomme der Eris.
Ovid: Metamorphosen (u. a. Buch 8, 777–784; 8, 788–791; 8, 815–820; 8, 875–884) – Ausführliche Schilderung seines unbarmherzigen Wirkens.
Wissenschaftliche Literatur: Adolf Schirmer: Limos. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 2,2, Leipzig 1897, Sp. 2052.
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